23.02.2015 – The Golden Circle

Aufgewacht, gefrühstückt, und in der Zwischenzeit hatte ich realisiert, was noch so alles daheim in Berlin liegt.

  • Mein Kartenleser für Compact Flash (und SD, letzteres geht aber auch über Notebook). WTF? Da hätte ich schwören können, daß der definitiv dabei. Ich hatte ihn auf jeden Fall in der Hand.
  • Wanderstöcke. Da hatte ich immerhin dran gedacht.
  • Ladegerät für meine elektrische Zahnbürste. Da gab es tatsächlich keinen Gedanken dran.

Dank Google Translate konnte ich Geschäfte in der Nähe ausmachen, die mir helfen können. Vor allem den Kartenleser. Mechanische Zahnbürste ist ein No-Brainer. Die Geschäfte machen alle erst um 11 Uhr auf, da konnte ich noch ein bißchen mit Planen und Rumlaufen verbringen. Es gab immerhin ein bißchen sowas wie Licht zum Sonnenaufgang.

Dann losgefahren, und mein Navi schickte mich auf eine überraschende Route. Macht nix, probieren wir die mal aus. Ja, mag ja sein, daß hier zwischen Oktober und Mai nicht geräumt wird. Bis jetzt sieht es ja gut aus. Aha, Schotter. Aber fahrbar.

 

Ein bißchen mehr Schnee. Paßt schon. Hoffentlich wird es nicht schlimmer, ich konnte schließlich schon einschlägige Erfahrungen sammeln. Das brauche ich nicht am ersten Tag. Natürlich wurde es schlimmer. Also auf enger Schotterstraße mit Schneerändern gewendet und zurückgefahren, und dann doch klassisch die Ringroute entlang.

Ziel ist die Nähe von Geysir und Gulfoss, wo mein erstes Hotel ist. Die Straße ist ab jetzt asphaltiert, was aber nicht viel heißt, wenn der Wind wie blöd bläst und der Schnee nicht aufgehalten wird. Isländer scheinen eher Patagoniern zu ähneln als verweichlichten Mitteleuropäern was die Warnung vor Wind betrifft.

Ich versuche immer noch, das Wort “Impressionen” zu vermeiden und verweise auf die folgenden Eindrücke, was die Straße betrifft. Aber immerhin Asphalt. Und ich habe einen dicken fetten Toyota Landcruiser. Das hat Spaß gemacht. Anekdote bzgl. des Windes: Schon blöd, wenn er so stark bläst, dass das Scheibenwischwasser die Scheibe nicht mehr treffen kann, nur noch den rechten Rand, der Rest buchstäblich wie weggeblasen.

Erster Stopp erfolgt bei Thingvellir, bzw. Þingvellir, wie es korrekt heißt, ich aber nur mit Copy&Paste korrekt darstellen kann. Jetzt war ich auch das erste Mal so richtig draußen, und das Wort “interessant” stellt keine Übertreibung dar. Viel gefrorenes, viel Wind, und der stellt die ganze Sache anders da, als es die “zwischen -3 und -5 Grad Celsius” vermuten lassen. Als erstes war meine Regen-Überhose dran, raus aus dem Rucksack, rauf auf die Beine. Alles, was Wind stoppt, ist mein Freund. Fürs Gesicht hatte ich nichts, aber dafür konnte ich immerhin ein Selfie machen. Mit dieser Tradition, die es schon ganze ein (1) Urlaube gibt, kann ich ja nicht brechen.

Im Hintergrund sieht man einen Wasserfall. Seinetwegen war ich eigentlich hier, das ist einer der Sachen, die ich mir an Island im Winter als herausragend vorstelle. Und in der Tat, das fand ich schon interessant.

Mit Stativ und Tele habe ich mich noch ein bißchen vergnügt, bevor es dann weiter ging. Verschiedene Belichtungszeiten getestet in Bezug auf ihre Wirkung auf den Wasserfall. Es gab ein relativ schmales Fenster, was ich gut fand. Zu schnell, und er wurde kaum noch sichtbar und hätte auch glattes Eis sein können, zu kurz, und er war zu chaotisch.

Also weiter zum Hotel und einchecken. Das Hotel ist Teil einer Farm, und ich habe in einem separaten Haus ein Zimmer aus Holz mit Fußbodenheizung, das sieht sehr gemütlich aus, und gleichzeitig gibt es WLAN. Da kann man nicht meckern. Außerdem gibt es noch süße Pferde.

Allerdings geht es erstmal weiter, den Golden Circle entlang. Die lange Unterhose ziehe ich mir gleich prophylaktisch drunter, und auf geht’s. Erster Zwischenstopp: Geysir. Strokkur beeindruckt wie eh und je. Auf ihn ist Verlass. Nur der Weg zu ihm ist ein Spaß. Das ganze Wasser, was er und seine kleineren Nachbargeysire und Quellen so ausspucken, wird irgendwann mal kalt und hinterläßt eine imposante Eisschicht auf dem Weg.

Also weiter vor Gulfoss, und das Wettrüsten mitgemacht. Denn was ich nicht vergessen habe, sind Schuhaccessoires zum besseren Laufen auf Eis. Die Crampons hebe ich mir noch auf, man muß ja nicht sofort sein ganzes Blatt zeigen, erstmal gibt es eine Stufe kleiner, die aber vollkommen genügt.

Der Wind und die Temperaturen werden nochmal krasser. Alles, was vom Wind getroffen wird, tut physisch weh. Das heißt, mein Gesicht, der Rest ist verpackt, unter mehreren Lagen. Gleichzeitig bläst der Wind so stark, daß es mein Stativ einfach mal umhaut. Ich versuche, trotzdem halbwegs scharfe Fotos hinzukriegen, und genieße ansonsten das Schauspiel. Gullfoss hat diese zwei tollen, rechtwinkligen Stufen, und jetzt ist alles mit Eiszapfen garniert. Das Wort “Eiszapfen” ist natürlich ein Euphemismus für “dicke, dicke Eisschicht mit interessanten Strukturen”.

Ewig halte ich es aber auch nicht aus, und es geht zurück ins Hotel. Und unterwegs kommt tatsächlich nochmal die Sonne raus. Und was für ein bombastisches Licht. Meine Herren noch mal. Bei den Bildern wurde nichts manipuliert, Weißabgleich “Tageslicht”, keine Sättigung/Dynamik oder dergleichen hinzugefügt. Wunderschön.

So, und das war eigentlich so im Wesentlichen mein erster Tag. Wenn mir noch was einfällt, wird nachgeliefert. Bis bald!

 

2 thoughts on “23.02.2015 – The Golden Circle

    1. André Leopold Post author

      Dann gehen viele Zusagen, die an die Bedingung “wenn die Hölle zufriert” geknüpft sind, plötzlich in Erfüllung.

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